RSNplusStrecke, Favoriten und das sagen die Deutschsprachigen

Große Vorschau: “Inoffizielle Gravel-WM“ beim Unbound in Kansas

Von Jens Claussen

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Kann Rosa Klöser ihren Erfolg aus dem Jahr 2024 wiederholen | Foto: Cor Vos

28.05.2026  |  (rsn) - Mit dem Unbound Gravel kehren die Schotterspezialisten am 30. Mai zum Ursprung des Gravelrennsports zurück. Im Rahmen eines der größten Gravel-Festivals weltweit wird mit Start und Ziel in Emporia (Kansas) auf einer 206 Meilen- (330 Kilometer) Runde, die "inoffizielle Gravel-WM" ausgefahren.

In der Männerkonkurrenz konnte im Vorjahr der Neuseeländer Cameron Jones mit 8:37:09 einen neuen Streckenrekord aufstellen, der auch über das kommende Wochenende hinaus bestehen wird – denn die Strecke wurde verändert.

Inwieweit Mads Würtz Schmidt (Specialized Off-Road Team), der herausragende Akteur der vergangenen Monate, auf dem neuen Parcours die erste Bestmarke setzt, bleibt abzuwarten. Auch wenn der Däne unlängst durch seinen Erfolg bei The Traka 360 seine aktuelle Überlegenheit zementierte, ist der erste Unbound-Sieg des ehemaligen WorldTour-Profis keine Selbstverständlichkeit. ___STEADY_PAYWALL___

Zu groß sind auf der einen Seite die Ambitionen weiterer Mitfavoriten wie Romain Bardet (Factor Racing), Matt Beers, Keegan Swenson (beide Specialized Off-Road Team), Simon Pellaud (Li Ning Star) und des Deutschen Paul Voß (AUTSAID x Rose Bikes), zu wenig selektiv andererseits ein Streckenverlauf, der auf den 206 Meilen zwar 2.500 Höhemeter aufweist, aber keine längeren, schweren Anstiege verzeichnet.

Feiert Klöser ihren zweiten Sieg in Emporia?

Mit Blick auf die Siegerlisten der letzten zehn Jahre zeigt die Historie bei den Frauen eine deutliche Tendenz. Die Serie der US-Dominanz wurde schon seit längerem durchbrochen - die zurückliegenden sechs Ausgaben gingen ausschließlich an Europäerinnen. Neben Vorjahressiegerin Karolin Migon (PAS Racing), deren Siegerzeit 2025 knappe zwei Stunden über der von Jones lag, steht Rosa Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) als heißeste Anwärterin auf den Sieg an der Startlinie.

Die Deutsche Gravelmeisterin hat sich nicht erst seit ihrem Sieg bei The Traka 360 ins Rampenlicht gefahren, sondern schon 2024 beim Unbound triumphieren können. In der aktuellen Form bedarf es einiger Fantasie um Frauen zu finden, die Klöser bei der 20-jährigen Jubiläumsausgabe - von 2004 bis 2020 hieß der Unbound Gravel “Dirty Kanza” - ernsthaft in Bedrängnis bringen könnte.

Zudem sind nach ihren bisherigen Saisonleistungen noch Sofia Gomez Villafane, Geerike Schreurs (beide Specialized Off-Road Team), Cecily Decker, Morgan Aguirre (beide PAS Racing), Nicole Frain (Factor Racing) und die Deutsche Nele Laing (Canyon x DT Swiss ATR) zum engeren Favoritinnenkreis zu zählen.

Etwas umgebaut: Die Strecke des Unbound 2026

In seiner Länge ist das Unbound 200 mit 330 Kilometern zwar mit The Traka 360 vergleichbar, hinsichtlich der Streckenbeschaffenheit aber verspricht es ein komplett anderes Rennen zu werden. Zur Jubiläumsausgabe präsentiert der Veranstalter Life Time eine veränderte Strecke, auf der Segmente des Jahres 2015 wieder aufgenommen wurden, aber auch neue "chunky" Anteile mit gröbstem Schotter sowie Wiesenpassagen durchfahren werden müssen.

Bereits nach 24 Kilometern wartet bei "The Tower Hills" ein fünf Kilometer langer, treppenartiger Anstieg, der nahezu nur geradeaus verläuft. Ein kurzer, ruppiger Anstieg mit teils 10% Steigung könnte danach bei Rennkilometer 109 schon zu einer ersten Selektion führen. Neu ist dann nach 208 Kilometern ein Abschnitt, der die Teilnehmer nach endlosem Schotter erstmals über grüne Wiesen führt. Sollten die Bedingungen schlecht sein, könnte wiederum der berüchtigte "peanut butter mud" - der für die Region typische, extrem klebrige, rote Matsch, der oft für Laufpassagen sorgt - nach 280 Kilometern das rennentscheidende Zünglein an der Waage spielen.

Lediglich an drei Stationen - bei Kilometer 67, 160 und 256 - können sich die Athleten offiziell von ihren Crews bei dieser Tortur unterstützen lassen. Sei es ein Wechsel der Reifen, das Auffüllen der Trinkblase oder auch nur ein paar aufmunternde Worte – bei diesen "Checkpoints" ist in jeglicher Hinsicht Hilfe erlaubt. Zudem gibt es noch zwei sogenannte "Wasseroasen" bei Kilometer 102 und 302, an denen ausschließlich Wasser nachgefüllt werden kann. Unbound ist und bleibt unberechenbar und am Ende entscheiden viele Puzzleteile über Sieg oder Niederlage – auch der Kopf!

RSN exklusiv: Das sagen die deutschsprachigen Protagonisten

Carolin Schiff (Canyon x DT Swiss ATR / Siegerin 2023 / 4. Teilnahme): "Ich habe mich in der letzten Zeit immer besser gefühlt und konnte auf Mallorca nochmal zwei Wochen gut trainieren. Teile des Kurses kenne ich von 2023, wo ich ja gewinnen konnte - und auch das Wetter soll eventuell gemischt werden. Es könnte wie damals matschig werden und mir damit wieder entgegenkommen. Aber natürlich sind schwierige Bedingungen auch immer etwas Glücksache mit dem Material. Ansonsten sind wir mit Larissa (Hartog) und Nele (Laing) im Team sehr gut aufgestellt, und Rosa (Klöser) fährt ja auch auf Canyon. Insofern werden wir da sicherlich auch nicht gegeneinander fahren und ich denke die Chancen stehen ganz gut, dass am Ende ein Canyon als erstes über die Ziellinie fahren kann."

Carolin Schiff sollte man bei ansteigender Formkurve auf dem Radar haben. | Foto: Canyon

Paul Voß (AUTSAID x Rose Bikes / 4. Teilnahme): "Das Relevanteste ist gerade der Blick aufs Wetterradar und da sieht es nicht sonderlich gut aus. Wahrscheinlich gibt es Regen und dann wird es eine Schlammschlacht werden. Entscheidend wird dann die Reifenfreiheit sein und danach kommen erst die Beine. Ich fühle mich nach Rund um Köln gut und auch vom Material her – mit verschiedenen Reifenbreiten, die ich mit dabeihabe – gut gerüstet. Am liebsten wäre mir natürlich gutes Wetter. Dann müssten wir uns nicht alle mit der 'Peanut Butter' auseinandersetzen und könnten ein ehrliches Rennen geradeaus fahren. Die Favoriten sind sicherlich die Specialized-Jungs, Matt Beers und Keegan Swenson."

Voß hat Unbound-Erfahrung und befindet sich in Top-Form. | Foto: Pierre Barton

Nele Laing (Canyon x DT Swiss ATR / 1. Teilnahme): "Erstes Unbound für mich und auf jeden Fall auch das erste Rennen auf so einer langen Distanz. Die äußeren Bedingungen werden am Ende entscheidend sein: Wer kommt am besten mit der Hitze zurecht? Wer hat die beste Ernährungsstrategie? Wer hat keinen “mechanical“? Nach den letzten Rennen bin ich ziemlich zuversichtlich, obwohl man bei den Rennen in den USA immer Konkurrenz dabeihat, die man noch nicht so gut kennt und einschätzen kann. Ich bin auf jeden Fall gespannt und freue mich auf das Rennen und die Atmosphäre."

Aufgrund ihrer bisherigen Saison gehört Nele Laing zu den Geheimfavoritinnen. | Foto: Canyon

Luis Neff (Rose Racing Circle / 2. Teilnahme): "Das größte Gravelrennen der Welt ist natürlich für uns auch ein Highlight und wir bringen hier vier starke Leute mit. Ich selbst bin in guter Verfassung, fühle mich auf so langen Sachen wohl und hatte mit Traka 360 schon mal einen guten Formtest. Der klare Leader für uns bei dem Rennen wird Pösti (Lukas Pöstlberger) sein, der, wenn alles rund läuft, auch aufs Podium fahren kann. Bei so einem langen Rennen kann aber immer viel passieren und das Wetter in Kombination mit der richtigen Reifenwahl wird entscheidend sein. Man muss mit Auge fahren und an den richtigen Stellen sparen. Alle werden auf den letzten 100 Kilometern tot sein, und wenn man da noch was übrig hat, kann das ein Vorteil sein."

Bei seinem ersten Unbound-Auftritt im Jahr 2025 belegte Luis Neff Platz 36. | Foto: Rose Racing Circle

Mieke Kröger (Rose Racing Circle / Bahn-Olympiasiegerin 2021 / 1. Teilnahme): "Wir sind heute schon mal die letzten 130 Kilometer der Rennstrecke abgefahren und auch wenn viele Leute sagen, dass der Kurs flach verläuft, ist er eigentlich überwiegend wellig. Ich habe Bock gut zu fahren, weiß aber nicht so recht, was ich erwarten soll, da das Rennen einfach so unglaublich lang ist. Ich werde durch so viele Phasen gehen und war heute bei 37 Grad schon nach sechs Stunden komplett gebacken. Wie werde ich mich dann nach acht oder zehn Stunden fühlen? Kurz vor dem Ziel gibt es dann auch noch so einen kleinen "Kicker". Aber da muss ich erstmal hinkommen… .“

Romy Kasper (PAS Racing / Siegerin Gravel One Fifty 2026 / 1. Teilnahme): "Das ist mein erstes Unbound und ich habe auf jeden Fall ein wenig Respekt vor der Länge. Von der Topographie her sollte es mir auf jeden Fall etwas besser liegen, als The Traka. Ich gehe ohne jegliche Ambitionen in das Rennen, versuche mich bestmöglich zu verpflegen und schaue dann mal, was die Länge mit mir so machen wird."

Hat bereits einen Saisonsieg in der Tasche – Romy Kasper beim Gravel One Fifty. | Foto: Sander van Hemert

Lukas Pöstlberger (Rose Racing Circle / Sieger Traka 200 2026 / 2. Teilnahme): "Unbound, die Mutter aller Gravelrennen. Schwierig hier irgendeine Vorhersage zu treffen. Meine Form stimmt und ich bin hier gestern schon mal mit Vossi (Paul Voß) im Training gewesen. Aktuell ist das Wetter gut, aber da es am Samstag regnen soll, ist dann die ganze Vorbereitung in der Abstimmung zum Material auch wieder hinfällig. Das ist schon mühsam und macht das Ganze unvorhersehbar. Aber wir haben für jede Situation etwas dabei und hoffen, dass wir gut performen."

Lukas Pöstlberger, hier beim Unbound 2025, kann nach zwei Saisonsiegen selbstbewusst an der Startlinie stehen | Foto: Rose Racing Circle

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