RSNplusAyuso gegen Del Toro und Seixas

Weiß wechselt hin und her: Spannender Nachwuchs-Dreikampf

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Weiß wechselt hin und her: Spannender Nachwuchs-Dreikampf"
Juan Ayuso hat sich auf der 10. Etappe das Weiße Trikot zurückgeholt. | Foto: Cor Vos

15.07.2026  |  (rsn) – Allzu oft haben die Trikots ihre Träger bei dieser Tour de France noch nicht gewechselt. Und speziell beim Gelben und dem Gepunkteten spricht aktuell nur sehr wenig dafür, dass sich daran noch etwas ändert. Zumindest nicht, wenn es um den eigentlichen Besitzer geht; Beide gehören Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG). 

Während es schon mit dem Teufel zugehen müsste, dass der Slowene die Gesamtführung noch mal abgibt, spricht auch nicht mehr wirklich viel dafür, dass es an der Spitze der Bergwertung anders laufen könnte. Allenfalls an seinem Stellvertreter in dieser Wertung, aktuell ist es Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), könnte Pogacar das Gepunktete Trikot noch loswerden.

Unterdessen muss sich Mads Pedersen (Lidl – Trek) jeden Tag dafür schinden, an den Zwischensprints genügend Punkte zusammen zu klauben, um das Grüne Trikot weiter sein Eigen nennen zu dürfen. Nach jeder schwierigeren Etappe sieht es für ihn aber wieder besser aus. Seit der 4. Etappe hat der Däne auch niemanden sonst mehr in den Genuss des Leibchens kommen lassen. ___STEADY_PAYWALL___

Ganz anders sieht es beim Kampf um die Nachwuchswertung aus. Dort gab es zwar – wie beim Gelben und dem Bergtrikot – erst drei verschiedene Träger; beim Grünen sind es vier, aber mittlerweile ist Konstanz drin. Dafür aber waren es in Weiß schon fünf Besitzerwechsel, immer hin und her.

Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) musste auf der 10. Tour-Etappe das Weiße Trikot abgeben. | Foto: Cor Vos

Erster Mann im Weißen Trikot war Juan Ayuso (Lidl – Trek) nach dem Teamzeitfahren. Tags darauf wechselte es zu Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG). Am “Lidl-Tag“, der 4. Etappe, ging es weiter zu Ayusos Teamkollegen Mathias Vacek. Von ihm holte es sich am Col du Tourmalet Del Toro zurück. Und jetzt, nach der 10. Etappe im Zentralmassiv, ist es wieder bei Ayuso.

Del Toro offenbart Schwächen – gibt es eine Tendenz?

Während Vacek kein ernsthafter Konkurrent für Weiß in Paris ist, sind es der aktuelle Inhaber aus Spanien und Del Toro schon. Genau wie Wunderkind Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM). Beinahe erstaunlich, dass ausgerechnet der Franzose, der vor der Tour zwischenzeitlich schon zum größten Pogacar-Rivalen stilisiert wurde, es noch nicht trug. Nach zehn Etappen fehlen Seixas allerdings auch nur 13 Sekunden.

Es geht verdammt knapp zu im Kampf um Weiß. Die Top 3 liegen innerhalb von 46 Sekunden. Bevor Del Toro in Le Lioran Zeit verlor, waren es sogar nur 28. Und mit Lenny Martinez (Bahrain Victorious) lag noch ein vierter Jungprofi im Bereich von einer Minute Rückstand.

Mit Blick auf das Starterfeld könnte es sogar noch enger sein. In Kévin Vauquelin (Netcompany – Ineos), Antonio Tiberi (Bahrain Victorious) und Matthew Riccitello (Decathlon – CMA CGM) sind noch drei Fahrer "nachwuchswürdig", die schon ein Top-7-Resultat bei einer Grand Tour eingefahren haben, bei dieser Tour aber indisponiert sind beziehungsweise Helferdienste zu verrichten haben.

Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) ist ebenfalls ein heißer Kandidat für das Weiße Trikot. | Foto: Cor Vos

Aktuell sind es nun aber drei Fahrer, die sich um das Trikot bemühen, das Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) im vergangenen Jahr nach Paris trug. Nach dem Zentralmassiv ist Ayuso wieder in der besten Ausgangsposition. Entsprechend sagte der 23-Jährige nach Rang fünf im Ziel bei Eurosport: "Ich bin zufrieden. Ich glaube, es war wichtig diesen Tag gut zu überstehen. Ich war den ganzen Tag gerade so an meinem Limit. Das war natürlich hart."

3800 Höhenmeter waren zu absolvieren – alpine Verhältnisse. "Ich bin froh, wieder im Weißen Trikot zu sein", sagte Ayuso noch. Letztlich gelang das aber nur, weil Del Toro einen weniger guten Tag erwischt hatte. Nicht, dass er besonders viel hätte arbeiten müssen für seinen Kapitän Pogacar. Bevor es dazu kam, zeigte der 22-Jährige bereits Schwächen, die er an den Tagen davor nicht offenbart hatte – obwohl er da als letzter Mann des Gelben teils im Wind stand.

Dennoch kann das über die Dauer von drei Wochen am Ende den Unterschied machen: Del Toro ist eben "nur" Edelhelfer, Ayuso Kapitän. Genau wie Seixas. Der 19-Jährige hat in Le Lioran den größten Schritt nach vorn gemacht, auch wenn es nicht ganz für Weiß gereicht hat. Inklusive der vier Bonussekunden, die er sich im Sprint gegen Lipowitz um Rang drei erkämpfte, hat der Jüngste im Bunde acht Sekunden auf Ayuso gutgemacht, sogar 61 auf Del Toro.

Seixas: “Dieser dritte Platz ist etwas Besonderes“

"Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob ich das Weiße Trikot holen kann oder nicht", zitierte ihn die L‘ Equipe nach der 10. Etappe. "Ich wollte einfach nur die Ziellinie erreichen, versuchen, so viel Zeit wie möglich gutzumachen, und so schnell wie möglich ins Ziel kommen."

Das gelang dem Mann aus Lyon, der am Dienstag gar nicht so weit weg von der Heimat agierte, so gut wie bislang noch nie in seiner noch kurzen Tour-Karriere. "Ich kann mir vorstellen, dass nicht alle dritten Plätze bei der Tour gleich schmecken, aber dieser hier ist definitiv etwas Besonderes." Warum? "Die Tourmalet-Etappe war etwas für reine Kletterer. Heute war eine Etappe für starke Fahrer. Kürzere, chaotischere Anstrengungen. Es ist eine großartige Leistung, in beiden Fällen mithalten zu können", befand er.

Wer wird Nachfolger von Florian Lipowitz im Weißen Trikot der Tour de France? | Foto: Cor Vos

Am Tourmalet hatte Seixas bessere Kletterfähigkeiten als Ayuso bewiesen. Der Spanier kam dort erst in der Abfahrt zurück, herangeführt durch den dort starken Evenepoel. Und die wirklich schweren Bergankünfte standen noch nicht auf dem Programm, warten in der dritten Woche in den Alpen. Dort dürften nach dieser Rechnung mehr als 13 Sekunden drin sein. Ob Del Toro so spät in der Frankreich-Rundfahrt noch eine Rolle spielen kann, bleibt offen. Aber vielleicht ist Pogacars Vorsprung dann auch schon so groß, dass er gar nicht mehr auf die Hilfe seines Leutnants angewiesen ist, vielleicht sogar seinerseits Unterstützung anbieten kann.

Und vorher kommen ja auch noch die Vogesen. Deswegen macht es Ayuso wahrscheinlich genau richtig. "Ich will noch nicht zu weit nach vorne schauen. Morgen geht es darum, sich möglichst gut zu erholen, um dann für das Wochenende wieder fit zu sein. Das wird sicherlich sehr hart. Aber ich glaube, dass ich immer besser in Form komme." 

Der Kampf um Weiß wird also noch eine ganze Weile offenbleiben.

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