Die Stimmen zur 16. Etappe der Tour de France

Denk: “Im Endeffekt war Lipowitz zu schnell“

Von Matthias Seng

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Ralph Denk, Teamchef von Red Bull - Bora - hansgrohe, übt Kritik an der ASO | Foto: Cor Vos

21.07.2026  |  (rsn) – Das einzige Einzelzeitfahren dieser Tour de France über 26,1 Kilometer zwischen den beiden Kurorten Évian-les-Bains - Thonon-les-Bains entwickelte sich im Finale zu einem sportlichen Drama.

Während sich Top-Favorit Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) souverän der Sieg auf der 16. Etappe – und damit seinen zweiten in Folge – holte, musste sein Teamkollege Florian Lipowitz nach einem Sturz kurz nach der letzten Zwischenzeitnahme, bei der er auf Rang vier vor seinem Podiumskonkurrenten Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) und Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) geführt worden war, das Rennen aufgeben. Offenbar zog sich Lipowitz eine Schulterverletzung zu und wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht.

In unserem Sammler können Sie nachlesen, was die Protagonisten zum Rennen zu sagen hatten.

Die Stimmen zur 16. Etappe der Tour de France:

Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe / Sieger / Flash-Interview):“Ich habe mich heute sehr gut gefühlt. Die ersten paar Kilometer habe ich richtig gepusht und ich habe mir selbst gesagt, dass ich mich ein bisschen zurückhalten muss. Die Fahrt von Tadej (Pogacar) war auch sehr beeindruckend. Er war immer sehr knapp dran. Es war eine große Herausforderung, den Vorsprung zu ihm aufrechtzuerhalten. Ich bin glücklich, wie es ausgegangen ist heute, aber es ist natürlich sehr schade, dass Lipo (Florian Lipowitz) jetzt raus ist. Ich werde ihn in der letzten Woche sehr vermissen.“

Ralph Denk (Red Bull – Bora – hansgrohe / Team-Manager / Mixed): “Super schade, dass er (Lipowitz) nicht weitermachen kann, wir werden ihn nicht nur im Kampf um das Podium, sondern auch als Menschen hier vermissen. Wir haben heute zwar gewonnen, aber das ist nicht super geil für uns. Das tut mir auch für den Remco (Evenepoel) leid, dass hier jetzt nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Er war sicherlich nicht zu langsam und in einem solchen Zeitfahren geht mal halt volles Risiko und man hat auch nur ein kleines Zeitfenster, um die Strecke zu begutachten und da musst Du Dir 26 Kilometer einprägen. Klar kriegst Du aus dem Auto Deine Ansagen und so weiter, aber im Endeffekt war er zu schnell.“

Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG / Zweiter / Flash - Interview): “Es war ein guter Tag, aber ich war am Ende des Anstiegs ein bisschen enttäuscht, dass ich 15 Sekunden hinter Remco lag. Ich dachte mir dann, okay ich gehe jetzt bis ins Ziel kein unnötiges Risiko ein. In einer Kurve, ich glaub dort wo Lipo gecrasht ist, waren während des Recons Autos der Rennorganisation. Ich konnte die Kurve nicht so anschauen, wie ich wollte und wäre dann selber fast gestürzt. Ich hoffe, Lipo ist okay und erholt sich schnell. Mit ihm ist noch ein Klassementfahrer ausgeschieden. Ich wollte heute natürlich gewinnen, aber Remco ist Olympiasieger, Weltmeister, Europameister, alles im Zeitfahren. Chapeau vor ihm, das war eine brillante Fahrt. Es ist noch nicht vorbei. Wir haben noch eine harte Woche vor uns. Der Abstand ist noch gut, aber man weiß nie, was an einem Tag passieren kann. Die Moral für die kommende Woche ist aber gut.“

Mattias Skjelmose (Lidl – Trek / Dritter / Eurosport): “Ich bin sehr zufrieden. Wir wollten heute an die Gruppe um mich ein Statement setzen, und ich denke, das haben wir getan. Wir haben eine Wette gemacht, dass wir Vollgas ins Rennen gehen. Ich konnte noch härter fahren, als ich dachte. Heute war dann einfach einer dieser Tage, an denen ich weiter das Tempo fahren konnte. Juan (Ayuso) ist noch immer der Kapitän für uns. Er ist immer noch vorne in der Gesamtwertung. soweit ich weiß. Es ist sehr traurig zu hören, dass Florian (Lipowitz) gestürzt ist, aber das heißt auch, dass Juan einen Platz in der Gesamtwertung gewinnt und damit einen Platz näher am Podium ist. Das ist weiterhin unser Ziel, und ich glaube weiter daran, dass er es schaffen kann.“

Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM / Vierter / Eurosport): “Heute war es echt verrückt. Der Kurs war sehr gut eigentlich, obwohl die Abfahrt mit dem Zeitfahrrad vielleicht etwas gefährlich war. Ich denke, wir alle haben es gut gemacht. Ich habe gehört, dass Lipowitz gestürzt ist. Es ist sehr schade, dass er das Rennen verlassen muss. Es ist ein weiterer starker Fahrer, der ausscheidet. Es ist ein trauriger Moment, aber wir müssen weitermachen. Für mich war es heute ein sehr harter Tag, aber ich habe das Beste gegeben, was ich konnte, und am Ende bin ich genau dort gelandet, wo ich sein soll.“

Mattia Cattaneo (Red Bull – Bora – Hansgrohe / Sechster / Eurosport): “Ich hatte heute großartige Beine. Es ist toll. Leute wie Tarling und Armirail geschlagen zu haben mit fast 36 Jahren. Das bedeutet mir sehr viel. Ein Top-10-Resultat hätte ich heute vor dem Rennen sofort genommen, ich hoffe, es bleibt genauso.“

Bruno Armirail (Visma – Lease a Bike / Achter / Eurosport): “Es hat heute sehr gut funktioniert, aber es kommen noch einige Fahrer. Ich hatte eine sehr gute Zeit am Berg, habe aber dann in der Abfahrt wieder etwas eingebüßt. Letztes Jahr wurde ich Vierter, und ich habe gezeigt, dass ich ein Zeitfahrspezialist bin. Ich denke, das hat man auch heute gesehen, wenn man sieht, welche Fahrer um mich herum platziert sind. Jonas (Vingegaard) hat uns gestern kontaktiert, und wir werden natürlich jetzt auch für ihn fahren. Wir möchten ihn stolz machen und unser Trikot zeigen.“

Felix Großschartner (UAE - Emirates - XRG / 13. / RSN / ESP): “Am Berg war ich ganz schnell. In der Abfahrt habe ich leider einen Fahrer vor mir gehabt, der hat kein Begleitauto gehabt und auch nicht gewusst, dass ich von hinten komme. Jetzt bin ich eigentlich nicht so schnell runtergefahren wie gewollt, aber so ist es. Am Ende des Tages war es trotzdem eine solide Zeit. Wir haben gesagt, ich starte mal rein und wenn ich mich gut fühle, dann fahre ich schneller. Ich habe mich dann gut gefühlt und wir haben auch im Hinterkopf die Mannschaftswertung, wo drei Leute schnell fahren müssen. Deswegen hat das ganz gut gepasst.“

Klaas Lodewyck (Red Bull - Bora - hansgrohe / Sportlicher Leiter / Mixed Zone): “Er (Evenepoel) hat das vom Start bis ins Ziel sehr gut gemacht und kontrolliert. Wir hatten auch eigene Zwischenzeiten. Im Anstieg hatten wir alles unter Kontrolle, dann ging es darum, eine gute Abfahrt zu fahren und es sicher ins Ziel zu bringen. Wir haben gemischte Gefühle, weil wir uns natürlich sehr über den Sieg von Remco freuen, das Ausscheiden von Lipowitz ist aber ein großer Verlust für das Team. Es ist sehr bitter, das zu sehen. 

Paxti Vila (Red Bull - Bora - hansgrohe / Sportlicher Leiter / Mixed Zone): “Er (Evenepoel) war super schnell, es ist schön, einen solchen Spezialisten auf dem Zeitfahrrad zu sehen. Er war so geschmeidig und es war ein perfektes Rennen von ihm. Klaas (Lodewyck, Sportlicher Leiter) gab ihm die Zwischenstände sowie die Kurven durch und versuchte Ruhe zu vermitteln. Die Fahrer sind ja aufgeregt genug. Klaas und Remco hatten den Kurs bereits besichtigt, ich weiß nicht wie oft genau, aber vielleicht sechsmal. Es ist ein komisches Gefühl, auf der einen Seite haben wir gewonnen, auf der anderen Seite sind wir traurig. Florian (Lipowitz) hatte diesen Sturz bei Kilometer 19,8 in der Rechtskurve. Ich glaube, er ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Schauen wir, wann der medizinische Bericht kommt und hoffen wir, dass er bald wieder gesund zurückkommt.“

Huub Artz (Lotto – Intermarché / 16. / Eurosport): “Ich bin einen richtig guten Anstieg gefahren und habe dann auch in der Abfahrt alles versucht. Unglücklicherweise wurde ich dann von zwei Autos von Astana geblockt. Ich bin mir sicher, dass sie das nicht mit Absicht gemacht haben, aber ich finde es sehr respektlos, so was bei der Tour de France zu machen. Man sieht schon von der Ferne, dass ich rankomme. An der gefährlichsten Stelle des Kurses muss ich mich dann damit auseinandersetzen, zu versuchen, nicht in die Autos zu krachen, weil sie sich nicht wegbewegt haben. Ich hoffe, sie werden sich entschuldigen und hoffe, dass sie wissen, wieviel ich für dieses Zeitfahren investiert habe. Danach bin ich aufgrund eines eigenen Fehlers noch fast gestürzt, weil ich so frustriert war. Ich war dann nicht mehr im richtigen Mindset.“

Felix Engelhard (Jayco AlUla / 40. / ARD): "Ich hatte technische Probleme mit meinem Wattmesser. Ich bin die Pacing-Strategie angegangen und dachte mir schon nach 2-3 Kilometern: uiuiui, den Minute-Man (den zuvor gestarteten Fahrer) hab ich fast. Es hat sich auch echt hart angefühlt. Bei der ganzen Hitze und dem Rad in der Sonne hat da irgendwas nicht gepasst mit der Kalibrierung. Dann hab ich alles ausgemacht und bin den Rest nach Gefühl gefahren. Ich denke, ich bin ein gutes Stück schneller gefahren, als ich hätte müssen.

Nils Politt (UAE - Emirates - XRG / 60. / ARD): “Die Strecke wäre heute nichts für mich gewesen. Dafür ist der erste Anstieg einfach viel zu schwer. Von daher war es heute ein guter Leg-Opener. Also quasi ein bisschen die Beine ein bisschen belasten, gestern haben wir ganz ruhig gemacht. Jetzt hoffe ich, dass dann morgen wieder die Beine laufen für die nächsten Tage.“

Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech /96, / Eurosport): “Es war ein schönes Zeitfahren, aber sehr schwer, besonders mit dem Anstieg zu Beginn. Wir haben mit dem Team schon vor einigen Tagen entschieden, dass wir uns auf die morgige Etappe konzentrieren. Ich glaube, es ist unsere letzte Chance vor Paris für mich oder für Jasper, wenn das Rennen ein bisschen kontrollierter läuft. Das hängt davon ab, wie morgen gefahren wird. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich ganz okay. Es gab bisher nicht so viele Chancen und ich bin froh, dass ich die eine, die ich bekomme habe, genutzt habe. An den restlichen Tage habe ich versucht so ökonomisch wie möglich ins Ziel zu fahren. Das lief bisher ganz gut. Wir werden uns als Team ganz auf die morgige Etappe konzentrieren. Am Sonntag kommt dann noch eine schöne Etappe für mich.”

Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe / 102. / ARD): "Es war wie erwartet. Man musste schon investieren, weil man weiß, die, die es ernst meinen, machen nicht langsam und fahren da richtig schnell hoch. Ich bin dann eine gute Pace gefahren und sollte auf jeden Fall durch sein mit der Zeit.

Michel Heßmann (Movistar / 126. / ARD ): "Es lief ganz gut, ich habe die Strecke davor nicht gesehen. Dafür passt es. Für mich war es heute ein verlängerter Ruhetag, wobei das einfach gesagt ist. Man muss schon noch relativ schnell fahren, um nicht in Gefahr zu kommen. An so einem Berg verliert man doch sehr schnell recht viel Zeit. Locker hab ich es also auch nicht genommen.

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