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22.07.2026 | (rsn) – Neun Teams haben auf den ersten 16 Etappen der Tour de France 2026 (2.UWT) mindestens einen Tagessieg feiern können. Das heißt im Umkehrschluss: 14 Mannschaften sind noch ohne das große Erfolgserlebnis. Sie alle – und natürlich auch die bereits erfolgreichen – dürften auf Teilstück 17 von Chambéry über knapp 175 Kilometer nach Voiron ihre beste noch verbleibende Chance wittern. Denn bei den drei übrigen Bergankünften und selbst in Paris mit der Montmartre-Passage scheint der Favoritenkreis sehr konkret und klein.
"Es gewinnen wenige Leute viele Etappen", sagte Michel Heßmann (Movistar) radsport-news.com am Dienstag nach dem Einzelzeitfahren in Thonon-les-Bains. "Wenn man nicht gerade einen davon im Team hat, dann muss man superkreativ werden und irgendwie alles versuchen, um es zu schaffen."
Extrem viel Kreativität braucht es für den Plan auf Etappe 17 aber tatsächlich gar nicht. Es geht zunächst nördlich aus Chambéry hinaus und auf den ersten 60 Kilometern viel bergauf durch das Bauges-Massiv über den Col des Prés. Dort wird sich ohne viel Taktiererei, sondern mit der Brechstange und über Beinkraft, die vermutlich recht große Ausreißergruppe des Tages bilden.
"Kühlen Kopf bewahren und schauen, dass man vorne mit dabei ist", darum gehe es, sagte Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) RSN am Dienstag und versprach: "Wir werden alles in die Waagschale werfen!"
Sowohl Heßmanns als auch Zimmermanns Team gehören zu jenen Mannschaften, die noch keinen Sieg verbuchen konnten bei dieser Tour. Bereits erfolgreich war dagegen Jayco – AlUla mit dem Schweizer Mauro Schmid, der die 13. Etappe in Belfort gewann. Die war genau andersherum gelagert: erst leichter, dann mit dem Ballon d'Alsace im Finale schwer. Auf dem Weg nach Voiron warten die Schwierigkeiten dagegen eher am Anfang, auch wenn auf den letzten Kilometern eine 2,5 Kilometer lange 4-Prozent-Rampe auch noch eine Rolle spielen könnte.
"Es ist eine extrem harte Etappe, vor allem die ersten 50 Kilometer und dann ist halt die große Frage, was für eine Gruppe vorne ist und was die Sprinter-Teams machen. Ist der Abstand groß genug , wird sich irgendwann abzeichnen, in welche Richtung es geht, aber ich denke, wir müssen ein bisschen offen sein für alle Szenarien", meinte Schmid gegenüber radsport-news.com.
Tatsächlich scheint vieles möglich in Voiron – auch die bergfesteren Sprinter machen sich, das betonten sie in den ersten zwei Tour-Wochen immer wieder, Hoffnungen. Entscheidend dürfte daher wirklich die Konstellation in der Ausreißergruppe nach den ersten 50 Kilometern sein, wie weit die jeweiligen "schnellen Männer" dann zurückliegen und wie hoffnungsvoll ihre Teams anschließend noch sind.
Schmid und Jayco sehen sich dabei in einer Luxussituation: Sie können beim schweren Etappenauftakt mit vielen Fahrern den Sprung in die Gruppe schaffen – etwa mit dem Schweizer, aber auch mit dem Deutschen Meister Felix Engelhardt, mit Ben O'Connor, Luke Plapp oder Michael Matthews. Aber sie können auch anders gewinnen. "Wir sind gut aufgestellt und falls es dann wieder zum Sprint kommt, haben wir mit Ackes (Pascal Ackermann, d. Red.) dann im Feld sicher auch eine sehr gute Karte, die wir ausspielen können. Darum müssen wir eigentlich einfach schauen, dass wir dabei sind", meinte Schmid.
Ein Zünglein an der Waage dürfte der Kampf ums Grüne Trikot werden. Rechnen sich Alpecin – Premier Tech mit Jasper Philipsen und NSN mit Biniam Girmay da noch Chancen aus, Mads Pedersen (Lidl – Trek) abzufangen – ihr Rückstand beträgt 31 beziehungsweise 56 Punkte – so bräuchten sie dafür möglichst volle Punkte in Voiron. Ihre Teams und Max Kanters Astana-Truppe dürften daher diejenigen sein, die am ehesten Interesse an einem Sprint haben.
Doch selbst diese Teams werden nicht um jeden Preis in diese Richtung agieren und erst im Rennen schauen, wie es sich entwickelt. "Wir haben mit dem Team schon vor einigen Tagen entschieden, dass uns auf die morgige Etappe konzentrieren", erklärte van der Poel die Bedeutung des Teilstücks für sein Team, das mit ihm in Ussel bereits jubeln durfte, mit Philipsen aber noch auf ein Erfolgserlebnis wartet. Für wen von beiden Alpecin am Mittwoch fährt? "Das hängt davon ab, wie morgen gefahren wird", so der Niederländer nach dem Zeitfahren.
Seit dem Sturz-Aus von Jonas Vingegaard gehört übrigens auch Visma – Lease a Bike zu denjenigen Teams, die diesen Mittelgebirgsetappensieg ins Visier genommen haben könnten. Die Schwarz-Gelben würden wohl eher ein hartes Rennen von Beginn und viele Attacken, als über einen Sprint bevorzugen. "Jonas hat uns gestern kontaktiert, und wir werden natürlich jetzt auch für ihn fahren. Wir möchten ihn stolz machen und unser Trikot zeigen", versprach Bruno Armirail nach dem Zeitfahren.