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22.07.2026 | (rsn) - Nach der 17. Etappe ist es in der Punktewertung der Tour de France 2026 noch einmal eng geworden. Jasper Philipsen (Alpecin - Premier Tech) verkürzte mit seinem Etappensieg den Rückstand auf Mads Pedersen (Lidl - Trek) auf nur noch sieben Punkte und machte damit den Kampf um das Grüne Trikot vielleicht noch einmal spannend.
Für Pedersen lief es auf dem 17. Teilstück zuerst vielversprechend. Rechtzeitig schaffte er es an die Spitze des Rennens und sicherte sich aus einem Führungssextett heraus, zu dem auch der Deutsche Meister Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) gehörte, die vollen 25 Punkte der Zwischensprintwertung. Im Schlusssprint musste er sich jedoch mit zehn Punkten und dem achten Platz begnügen, während der Etappensieger aus Belgien 50 Punkte einheimste. Philipsen war in der ersten Verfolgergruppe am Zwischensprint Siebter gewesen und hatte dafür neun Zähler erhalten.
“Es war ein schlechter Tag. Das sollte nicht passieren, und es ist sehr enttäuschend, so viele Punkte zu verlieren. Ich weiß nicht, was ich sagen soll”, zog Pedersen im Ziel ein enttäuschtes Fazit. Die Ausreißergruppe des Dänen wollte nach der Zwischenwertung nicht so recht zusammenarbeiten – kein Wunder, da für Philipsen als Aufpasser auch Edward Planckaert dabei war. Als Jasper Stuyven (Soudal - Quick-Step) aus dem Sextett heraus attackierte, ließ man ihn ohne große Gegenwehr fahren.
14 Kilometer vor dem Ziel wurde die Gruppe schließlich von den Verfolgern um Philipsen gestellt, drei Kilometer vor dem Ziel war auch Stuyven fällig. Dem Leadout von Mathieu van der Poel hatte auf der Zielgerade schließlich niemand etwas entgegenzusetzen. Der Niederländer lieferte seinen Sprinter 130 Meter vor dem Schlussstrich mit mehreren Radlängen Vorsprung ab und der Belgier verwandelte die Vorlage problemlos. Pedersen kam zwar gut positioniert ins Finale, fand im Sprint nach all seiner Offensivarbeit zuvor aber weder gute Beine noch ein gutes Hinterrad.
“Dieser Sieg hat mich wohl einige Lebensjahre gekostet. Ich habe während der Etappe zwischen Gruppen gekämpft, dachte, die Etappe wäre schon verloren. Das Team hat weiter daran geglaubt, wir haben einen Plan gemacht und meine Kameraden waren sehr stark am Ende. Sie haben mich perfekt an die Ziellinie gebracht”, resümierte Philipsen.
Der Druck ob des für Philipsen noch fehlenden Etappensieges, um den man bei Alpecin kein Geheimnis machte, dürfte nun ein Stück weit abgefallen sein. Der Kampf ums Grüne Trikot ist mit dem Erfolg wieder offener – und bringt eine neue Erwartungshaltung mit sich.
“Die Tatsache, dass er [Jasper] nicht da ist, als Pedersen um den Zwischensprint fährt, das war nicht gerade stark von ihm, sagen wir es mal so. Wäre er da gewesen, hätte er heute schon das Grüne Trikot gehabt. Es wäre ein perfekter Tag gewesen”, kommentierte Teamchef Christoph Roodhooft, dem der Etappensieg seines Sprinters für die ideale Etappe offenbar nicht reichte.
Roodhooft ist bekannt dafür, nicht gerade zimperlich mit seinen Fahrern umzugehen. RSN fragte ihn deshalb, ob er das Gefühl habe, Philipsen brauche genau diesen Druck, um stärker zu werden. Doch auf tiefenpsychologische Gedankenspiele ließ sich der Teamchef nicht ein:
"Ich denke, das hier ist das größte Radrennen des Jahres, der Druck ist also immer da. Er kommt für einen Etappensieg hierher, mindestens einen, und wir waren heute schon bei Etappe 17 und es hatte immer noch nicht geklappt. Da ist es denke ich völlig normal, dass Druck da ist", so der 52-Jährige.
Der Sprinter der belgischen Equipe wollte sich dem nächsten Druckpunkt durch die Erwartungen seines Chefs, in Paris das Grüne Trikot überzustreifen, nicht aussetzen: “Ich muss einfach hoffen, dass Mads in den Bergen auch keine Punkte holt und wir es in Paris austragen können – das wäre schön. Aber klar, die Chance, dass er in den nächsten Tagen einige Punkte holt, ist extrem hoch, so wie er aktuell klettert", meinte er.
Von der Hand zu weisen ist das Argument nicht: Bei den Zwischensprints der kommenden drei Bergetappen wird es für ihn schwer einzugreifen. Auch dazu fand Philipsens Teamchef klare Worte: “Was das Klettern angeht, hat er (Philipsen, Anm. d. Red.) sich definitiv nicht verbessert.”
Vor den Zwischensprints der Etappen 18, 19 und 20 liegen jeweils viele Höhenmeter und immer auch ein Bergpreis der 1. Kategorie. Das ist zwar auch nicht Pedersens Lieblingsterrain, doch der aktuelle Träger des Grünen Trikots kommt damit deutlich besser klar und hat daher durchaus die Chance, nochmal Zwischensprintpunkte mitzunehmen.
Hoffnung hat Philipsen, wenn die Etappen schon zu Beginn für Pedersens Kletterkünste ebenfalls zu hart gefahren werden. In diesem Fall könnte es auf einen Showdown in Paris hinauslaufen.
Um den Zwischensprint auf der letzten Etappe müsste Philippsen wieder mitsprinten können. Beim Kampf um den Etappensieg selbst hat Teamkollege van der Poel allerdings gleichfalls Interesse angemeldet: “Am Sonntag kommt dann noch eine schöne Etappe für mich”, merkte er nach dem Zeitfahren an und Roodhooft wollte gegenüber RSN noch nichts dazu sagen, ob van der Poel im Fall der Fälle, also wenn es in Paris wirklich noch um Grün geht, erneut in die Helferrolle rücken würde.
Die Chancen seines Teamkollegen auf Grün schätzte der Cross-Weltmeister ebenfalls nicht besonders hoch ein: “In den Tagen, die folgen, wird es schwierig sein, Punkte im Kampf um Grün zurückzuholen, aber er hat heute einen fantastischen Job gemacht. Einfach nur eine Etappe gewinnen ist auch sehr schön", meinte van der Poel.
Eine Tatsache, die im Alpecin-Team offenbar nicht jeder teilt.
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