RSNplusRoubaix-Siegerin als Edelhelferin

Bei der Tour zählt für Koch am Ende nur Gelb für Vollering

Von Jens Claussen

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Der Fokus von Franziska Koch (FDJ United - Suez) ist auf den Tourgewinn von Demi Vollering gerichtet. | Foto: Cor Vos

28.07.2026  |  (rsn) – Die Deutsche Doppelmeisterin Franziska Koch (FDJ United – Suez) hat nur ein Ziel vor Augen, wenn sie zum Start der 5. Tour de France Femmes avec Zwift (2.WWT) nach Lausanne reist. “Alles für das Gelbe Trikot von Demi Vollering“ - die Mission für sie selbst und das Team ist klar umrissen, wie die 26-Jährige heute in einer Medienrunde ihres Teams mehrfach unterstrich.

Eigene Ambitionen, nach dem Roten Führungstrikot bei der Vuelta Femenina (2.WWT) womöglich auch das Gelbe mal überstreifen zu können, stellt Koch bei ihrer vierten Tour-Teilnahme in den Hintergrund. Dabei entspräche die 1. Etappe rund um Lausanne durchaus ihren Fähigkeiten, in einem “punchy“ Finale am Ende ganze vorne zu landen. ___STEADY_PAYWALL___

“Wir haben uns das Profil natürlich angeschaut und mit Demi und Célia (Gery) starke Karten, am Samstag ins Gelbe Trikot zu fahren. Die Etappe ist hart, aber vielleicht nicht hart genug, um alle abzuhängen. Aber ja, wir werden versuchen, schon am ersten Tag, das Gelbe zu holen“, formulierte sie die Ambitionen ihres Teams beim Grand Départ.

Zum zweiten Mal in Folge präsentiert Franziska Koch das Deutsche Meistertrikot auf Frankreichs Straßen. | Foto: Cor Vos

Die Vorbereitung auf die Tour sei im Vergleich zu den Vorjahren bei Picnic – PostNL eine andere gewesen, blickte Koch auf die letzten Wochen zurück, in den denen sie nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaften im Zeitfahren und Straßenrennen keine Wettkämpfe mehr bestritten hatte. “Der ganze Tour-Kader war gemeinsam in Tignes in der Höhe. Wir hatten drei Wochen lang den kompletten Support vom Team, so dass wir uns einzig und alleine alle aufs Training konzentrieren konnten. Das war schon ein Riesenunterschied zum Vorjahr, wo ich das Höhentrainingslager vor der Tour für mich alleine organisieren musste“, hob sie die hohe Professionalität von FDJ in der Vorbereitungsphase hervor.

Nach Höhemtrainingslager eine Woche zur Erholung

Die letzte Woche nutzte sie dann überwiegend zur (aktiven) Erholung. “Nach der Höhe musste ich meinen Körper erstmal etwas in Ruhe lassen, aber natürlich muss man auch dafür sorgen, dass er nicht einschläft“, sagte sie lachend. “Ein paar leichte Ausfahrten gemischt mit zwei, drei härteren Tagen und Motorpacing, um die Geschwindigkeit in den Beinen zu behalten“, seien hier die ideale Mischung gewesen.

Obwohl das größte Rennen der Welt in einem französischen Team in dessen Heimat vor der Tür stünde, versuche sie die Erwartungen von außen auszublenden, meinte Koch. “Ich versuche, es gar nicht so sehr zu realisieren, wie viel Druck da im Vorfeld eigentlich ist, sondern den ganzen Prozess rund um die Tour einfach nur zu genießen. Wir lieben es alle, Rennen zu fahren und unsere Leistung unter Beweis zu stellen. Darauf wollen wir uns fokussieren und nicht auf die Dinge drum herum.“ 

Bisheriges Highlight in Kochs Karriere: Triumph beim Kopfsteinklassiker Paris-Roubaix | Foto: Cor Vos

Den medialen Fokus auf ihre Person hat Koch selber erlebt, als sie im April  bei Paris-Roubaix (1.WWT) ihren größten Karrieresieg feierte. “Das Wichtigste an diesem Erfolg war für mich die Tatsache zu erkennen, dass ich große Rennen gewinnen kann. Das hat mir nochmal eine Menge Selbstvertrauen gegeben“, beschrieb sie den "Boost", den sie durch den Triumph im Velodrome von Roubaix erhalten habe und nun auch mit in die Tour nehme.

Bislang nur mit dem Mountainbike auf dem Mont Ventoux

So zeigt Koch mit Blick auf den Mont Ventoux, den das Peloton auf der 7. Etappe erstmals in der Tour-Historie befahren wird, auch eher Vorfreude als Ehrfurcht. “Ich bin gespannt auf diesen Berg und ihn jetzt in der Tour zu haben, zeigt, wie stark der Frauenradsport in den letzten Jahren gewachsen ist", erzählte sie und fügte an: "Mit dem Angliru haben wir bei der Vuelta gezeigt, dass wir alles können und nicht nur die Männer die höchsten Berge bewältigen können. Ich bin sehr glücklich, dass wir diesen berühmten Anstieg nun auch fahren dürfen“, sagte sie mit Blick auf den “Riesen der Provence“.

Schon bei der Flandern-Rundfahrt stellte sich Koch (li.) in den Dienst der späteren Siegerin Vollering. | Foto: Cor Vos

Mit dem Rennrad habe sie aber den legendären Anstieg noch nie unter die Räder genommen. “Nur Demi hat ein Recon am Mont Ventoux gemacht. Das gehörte zu ihrer Vorbereitung, in der sie alle Etappen der Tour einmal abgefahren ist. Ich selbst bin den Berg mal als 16- oder 17-Jährige mit dem Mountainbike mal hochgefahren, habe aber ehrlich gesagt keine großen Erinnerungen mehr daran“, so Koch.

“Das Zeitfahren kann ein guter Tag werden“

Auch wenn die Dritte der diesjährigen Strade Bianche (1.WWT) eigene Resultate zugunsten ihrer Teamkapitänin in den Hintergrund stellt, könnte dennoch ein Tag zu ihrem persönlichen “happy moment“ werden – wenn nämlich auf der 4. Etappe das 21 Kilometer lange Einzelzeitfahren von Gevrey-Chambvertin nach Dijon ansteht, dessen Profil der kraftvollen Fahrweise Kochs entgegenkommt. 

“Das Zeitfahren ist mit dem kleinen Anstieg nicht langweilig und nur flach. Hier kann ich für mich selbst fahren und das könnte ein guter Tag werden“, deutete sie dann doch noch eine Chance an, selbst zumindest für einen Tag zu einer Protagonistin der Tour de France Femmes werden zu können.

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