RSNplusNur Ferrand-Prévot und Le Court verlieren richtig Boden

Zeitfahr-Analyse: Reusser siegt, aber Gewinnerinnen gab es viele

Von Felix Mattis aus Dijon

Foto zu dem Text "Zeitfahr-Analyse: Reusser siegt, aber Gewinnerinnen gab es viele"
Demi Vollering (FDJ United - Suez) auf dem Weg zu Rang drei im Zeitfahren der Tour de France Femmes 2026 in Dijon. | Foto: Cor Vos

04.08.2026  |  (rsn) – Marlen Reusser (Movistar) war die offizielle Siegerin des Einzelzeitfahrens von Dijon. Doch nicht nur die Schweizerin durfte sich nach dem Kampf gegen die Uhr als Gewinnerin sehen. Auch drei ihrer Hauptkontrahentinnen ums Tourdpodium hatten aufgrund des Ergebnisses vom Dienstag Grund zur Freude – und eine weitere zumindest aufgrund ihrer Leistung.

Unterm Strich blieb festzuhalten: Richtig große Verliererinnen waren lediglich die französische Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) und die im Vorfeld ob ihrer Zeitfahrfähigkeiten bereits tiefstapelnde Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) aus Mauritius, die als 34. und 39. 2:13 Minuten beziehungsweise 2:23 Minuten einbüßten, sowie Niamh Fisher-Black (Lidl – Trek / + 3:02) und Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech / + 3:38), die beide aber auch keine Zeitfahrgrößen sind.

Mit mehr gerechnet hat dagegen sicherlich Anna van der Breggen (SD Worx – Protime). Die Niederländerin, die im Mai noch überlegen das Bergzeitfahren des Giro d'Italia mit 1:03 Minuten Vorsprung auf Reusser und 1:09 Minuten vor Demi Vollering (FDJ United – Suez) geonnen hatte, büßte diesmal in Dijon 1:09 Minuten auf Siegerin Reusser ein. ___STEADY_PAYWALL___

Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) dürfte sich mehr ausgerechnet haben bei dieser Tour. | Foto: Cor Vos

Das musste sich für sie wie eine große Niederlage anfühlen – auch wenn man von Schadensbegrenzung sprechen konnte. Mehr Sorgen dürfte ihr mit Blick auf die Gesamtwertung machen, dass sie schon am Montag auf Etappe 3 am letzten dortigen Anstieg nicht mit den Besten mitfahren konnte und am Mittwoch eine schwere Etappe im Beaujolais wartet, mit vielen kurzen, knackigen Rampen.

Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) verlor 1:35 Minuten und gehörte damit auch nicht zu den Gewinnerinnen. Gerade angesichts des Anstiegs zu Rennmitte hätte man ihr mehr zugetraut. Doch die Giro-Zweite erklärte der ARD und radsport-news.com: "Der Berg hat mir sehr gut gefallen, aber mit Rückenwind und bergab ist es für mich schwierig, ein gutes Pacing hinzubekommen. Es ist extrem schnell geworden und ich bin mit dem Treten kaum hinterhergekommen. Das macht es für Fahrerinnen wie mich schwierig." Außerdem betonte die 23-Jährige, dass es für sie bei dieser Tour in erster Linie darum gehe, die Tour-Siegerin von 2024, Katarzyna Niewiadoma-Phinney, zu unterstützen.

Niewiadoma und Vollering nach Zeitfahren happy

Und damit sind wir bei den Gewinnerinnen von Dijon: Denn auch wenn Niewiadoma-Phinney mit 1:08 Minuten Rückstand auf Reusser nur eine Sekunde schneller war als van der Breggen, so strahlte die Polin nach dem Rennen bis über beide Ohren. Denn ihre Erwartungen waren nunmal auch ganz andere gewesen.

Am Montag noch hatte sie davon gesprochen, im Zeitfahren nur Schadensbegrenzung zu betreiben und nicht zu viel Zeit verlieren zu wollen. Was am Ende dabei herauskam, hätte sie vorher sofort unterschrieben. "Definitiv", bestätigte sie radsport-news.com diese Einschätzung und auch ihr Sportlicher Leiter Rolf Aldag meinte: "Das ist mehr als akzeptabel. Das ist eine Superklasseleistung!"

Glücklich mit dem Ausgang des Rennens war auch Vollering – auch wenn sie es in ihrem Gesichtsausdruck nicht so sehr zeigte und diesen dann im Interview auch noch hinter einer FFP-2-Maske versteckte. Die Tour-Siegerin von 2023 war mit 17 Sekunden Rückstand auf Reusser und 13 Sekunden hinter Zeitfahrspezialistin Lieke Nooijen (Visma – Lease a Bike) Tagesdritte und ist in der Gesamtwertung nun 14 Sekunden hinter Reusser Zweite.

Blasi glücklich - Longo Borghini bärenstark, aber mit Pech

"Ich bin sehr zufrieden. Das war heute eine Strecke für die Spezialistinnen, für die Fahrerinnen mit der großen Power. Ich habe mich mental darauf vorbereitet, dass ich möglicherweise etwas Zeit auf Fahrerinnen wie Marlen (Reusser) verliere. Dass ich letztendlich so nah dran war, macht mich sehr glücklich", erklärte sie nach dem Ausfahren auf dem Smarttrainer und einem Eisbad mit ruhiger Stimme.

Zwischen Niewiadoma und Vollering landete außerdem noch das UAE-Duo Elisa Longo Borghini (+ 1:03) und Paula Blasi (+ 1:04). Während deren Teamkollegin, die Vorjahresvierte Dominika Wlodarczyk (+ 1:22), genau wie Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly / + 0:54) im Rahmen ihrer Möglichkeiten lag, freute sich Vuelta-Siegerin Blasi über ihr Zeitfahren sehr – und auch Longo Borghini durfte stolz sein, ob ihrer Leistung.

Denn die Italienerin wäre wohl noch deutlich schneller gewesen, musste aber zwei Kilometer vor Schluss in der rasenden Zielanfahrt wegen eines Defekts ihr Rad wechseln. Das erklärte sie radsport-news.com beim Ausfahren – im TV-Bild war es nicht eingefangen worden.

Die Zeitfahrergebnisse der Tour-Favoritinnen

1. Marlen Reusser (Movistar) 27:30 Minuten
3. Demi Vollering (FDJ United – Suez) + 0:17
7. Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) + 0:54
10. Elisa Longo Borghini (UAE Team L'Imad) + 1:03
11. Paula Blasi (UAE Team L'Imad) + 1:04
13. Katarzyna Niewiadoma (Canyon – SRAM) + 1:08
14. Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) + 1:09
15. Femke De Vries (Visma – Lease a Bike) + 1:17
18. Dominika Wlodarczyk (UAE Team L'Imad) + 1:22
22. Katrine Aalerud (Uno-X Mobility) + 1:34
24. Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) + 1:35
31. Isabella Holmgren (Lidl – Trek) + 2:00
33. Monica Trinca Colonel (Liv – AlUla – Jayco) + 2:13
34. Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) + 2:13
39. Kim Le Court-Pienaar (AG Insurance – Soudal) + 2:23
62. Niamh Fisher-Black (Lidl – Trek) + 3:02

Die GC-Kandidatinnen in der Gesamtwertung:

1. Marlen Reusser (Movistar) 11:47:36 Stunden
2. Demi Vollering (FDJ United – Suez) + 0:14 Minuten
3. Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) + 0:54
5. Elisa Longo Borghini (UAE Team L'Imad) + 1:03
6. Katarzyna Niewiadoma (Canyon – SRAM) + 1:09
7. Paula Blasi (UAE Team L'Imad) + 1:12
8. Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) + 1:17
9. Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) + 1:43
10. Femke De Vries (Visma – Lease a Bike) + 1:47
11. Dominika Wlodarczyk (UAE Team L'Imad) + 1:59
12. Isabella Holmgren (Lidl – Trek) + 2:08
13. Katrine Aalerud (Uno-X Mobility) + 2:11
14. Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) + 2:13
15. Kim Le Court-Pienaar (AG Insurance – Soudal) + 2:15
16. Monica Trinca Colonel (Liv – AlUla – Jayco) + 2:29
23. Niamh Fisher-Black (Lidl – Trek) + 3:07
26. Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) + 3:38

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