RSNplusGenervt von Berichterstattung über UAE-Team

Longo Borghini von Defekt gestoppt und mit deutlicher Medienkritik

Von Felix Mattis aus Dijon

Foto zu dem Text "Longo Borghini von Defekt gestoppt und mit deutlicher Medienkritik"
Elisa Longo Borghini (UAE Team L´Imad) | Foto: Cor Vos

05.08.2026  |  (rsn) – Beim bloßen Blick auf die Ergebnisliste war das Einzelzeitfahren von Elisa Longo Borghini (UAE Team L'Imad) auf der 4. Etappe der Tour de France Femmes 2026 (2.WWT) nichts allzu Besonderes – weder auf der positiven noch auf der negativen Seite:

Zehnter Platz, 1:03 Minuten hinter Siegerin Marlen Reusser (Movistar) und 46 Sekunden hinter Demi Vollering (FDJ United – Suez) sowie neun Sekunden hinter Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) war die Italienerin die Viertbeste der Podiumskandidatinnen dieser Frankreich-Rundfahrt und damit ungefähr da, wo man sie erwarten konnte. Nur 1,5 Sekunden hinter ihr landete Teamkollegin Paula Blasi auf Rang elf und hielt damit die Doppelspitze aufrecht.

Was die TV-Bilder allerdings nicht eingefangen hatten und daher nach dem Rennen zunächst auch niemanden außerhalb ihres Teams wusste: Longo Borghini musste zwei Kilometer vor dem Ziel in Dijon anhalten. "Die Kette hat festgeklemmt und ich musste das Rad tauschen", erzählte sie radsport-news.com beim Ausfahren auf dem Smarttrainer vor dem Teamcamper. ___STEADY_PAYWALL___

"Ich bin nicht superhappy, aber ich muss das akzeptieren"

Das erklärte auch, warum die 34-Jährige in der zweiten Hälfte des Kampfes gegen die Uhr vom bei der Zwischenzeit am Ende des Anstiegs vierten Platz noch auf Rang zehn zurückfiel. Denn das von Kilometer zehn bis 21 im abschüssigen Finale aus 21 plötzlich 63 Sekunden Rückstand auf Reusser wurden und Longo Borghini in diesem Abschnitt nur die 31. Zeit fuhr, ließ sich bis zu dieser Auskunft kaum erklären.

Wie viel Zeit sie der Radwechsel letztendlich kostete, lässt sich nur spekulieren, Fakt ist aber: Longo Borghini musste in einer Vollgaspassage zum Stillstand kommen, umsteigen und neu beschleunigen.

Elisa Longo Borghini im Einzelzeitfahren der Tour de France Femmes. | Foto: Cor Vos

"Ich bin nicht superhappy, aber hey: Ich muss das akzeptieren. So etwas passiert. Also, was soll ich sagen? Es ist wie es ist", sagte Longo Borghini im Gespräch mit radsport-news.com und versuchte das Positive mitzunehmen: "Ich bin in guter Form, fühle mich gut und nehme das hier als schlechten Tag. Morgen ist eine neue Chance."

Longo Borghini genervt von Berichterstattung über UAE-Team

Bevor die Italienerin von ihrem Defekt erzählte, hatte sie aufgrund der Nachfrage einer englischsprachigen Kollegin nach der Stimmung im UAE-Team deutliche Kritik an der internationalen Berichterstattung von dieser Tour geäußert. Aufgrund der starken Besetzung des Aufgebots mit Longo Borghini sowie Vuelta-Siegerin Blasi und auch der Vorjahresvierten Dominika Wlodarczyk wurde in den vergangenen Tagen die Kapitänsfrage öffentlich diskutiert und auch die teaminterne Harmonie in Frage gestellt.

Letzteres baute auf dem Gerücht auf, dass Blasi in der kommenden Saison vorzeitig zu Movistar wechsle und ihren noch gültigen Vertrag bei UAE demnach nicht erfülle. Außerdem wurde die Thematik dadurch befeuert, dass die Spanierin nach der 1. Etappe in Lausanne gesagt haben soll, sie fahre "allein". Diese Aussage tätigte die 23-jährige Trägerin des Nachwuchstrikots aber nicht an einem Mikrofon, sondern wurde von Medienvertretern in Lausanne im Zielbereich aufgeschnappt und via Podcasts zitiert.

Als Longo Borghini nun gefragt wurde, wie die Stimmung im Team sei, nachdem sowohl sie als auch Blasi ein gutes Zeitfahren gezeigt hätten, verdrehte die Italienerin die Augen, überlegte kurz und setzte dann zur Medienkritik an:

"Ich will dazu nur sagen, dass ihr das so groß aufblast – größer als es ist. Wir sind okay. Und manchmal solltet ihr vielleicht auch bedenken, dass wir Menschen sind und es nicht schön ist, durch Instagram zu scrollen und all diese dummen Artikel zu lesen, die ihr schreibt und in denen ihr sagt, dass wir keine gute Atmosphäre hätten und uns darstellt, als seien wir ein Scheißteam. Das tut uns weh. Ich persönlich bin verletzt, von euch Journalisten. Und ich denke, dass ihr auch an Blasi denken solltet, wie sie sich fühlt. Denn sie kommt sicher nicht glücklich an den Esstisch, im Wissen, dass solche Artikel die Runde machen. Also passt manchmal auch auf die Personen auf!"

Blasi: "Das Team wollte das stärkste Team herbringen"

Blasi wurde wiederum einige Minuten später in der Mixed Zone von anderen Kollegen auf die Thematik angesprochen – ebenfalls im Beisein von radsport-news.com. Sie erklärte dort, nachdem sie auf dem Podium zum dritten Mal das Weiße Trikot übergestreift hatte:

Paula Blasi auf dem Podium in Dijon im Weißen Trikot. | Foto: Cor Vos

"Wir hatten ein klares Gespräch und jetzt haben wir wirklich das Zeitfahren abgewartet. Alles war offen. Jetzt ist das GC etwas klarer und wir sehen die Zeitabstände. Also liegt die Arbeit jetzt beim Team, zu entscheiden, was wir in den nächsten Tagen tun. Wir haben große Ambitionen und Gelb ist immer wichtiger als Weiß. Aber wenn wir beides erreichen können, versuchen wir das vielleicht…"

Zumindest nach außen scheinen die Spanierin die Diskussionen nicht zu beunruhigen. "Das Team wollte das stärkste Team herbringen und dann ist das normalerweise, was man bekommt, wenn man so viele starke Fahrerinnen hat", so Blasi. "Aber egal, ob ich Helferin oder Leaderin bin, ich kann mir sicher sein, dass ich ein starkes Team um mich habe. Also, ja, wir werden sehen, was die nächsten Tage bringen."

Mehr Informationen zu diesem Thema

11.08.2026FDJ führt Geldrangliste der Tour de France Femmes an

(rsn) - Bei der Tour de France Femmes 2026 wurden über neun Renntage insgesamt 260.750 Euro an Preisgeldern ausgeschüttet. Das entspricht rund 11 Prozent der 2.300.600 Euro, die bei der dreiwöchige

11.08.2026Tour-Streit zwischen FDJ United und Niewiadoma-Phinney beigelegt

(rsn) – Der Vorfall zwischen Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon - SRAM) und Celia Gery (FDJ United – Suez) in Nizza am vorletzten Tag der Tour de France Femmes (2.WWT) sorgte international für viel

10.08.2026Reusser spricht über ihr Tour-Drama: “Das ist jetzt das Rätsel“

(rsn) – Marlen Reusser steht vor einem Rätsel. Wie die Schweizerin am Tag nach dem Ende der Tour de France Femmes (2.WWT) in einer schweizerdeutschen Online-Medienrunde erklärte, seien sie und auc

10.08.2026Kuriosum um Jansen: Trotz Fehlleitung um 5 Sekunden im Zeitlimit

(rsn) – Rund zehn Kilometer hatte die Solo-Spitzenreiterin und spätere Gesamtsiegerin Demi Vollering (FDJ United – Suez) auf der Schlussetappe der Tour de France Femmes (2.WWT) noch zu fahren, al

09.08.2026Heute Weiß, bald Gelb? Canyons Zukunft heißt Niedermaier

(rsn) – Ruhig und abgeklärt, aber mit ihrem typischen, sympathischen Lächeln im Gesicht: So stand Antonia Niedermaier in Nizza nach der Schlussetappe der Tour de France Femmes (2.WWT) am ARD-Mikro

09.08.2026Niewiadoma beißt sich an Vollering die Zähne aus: “Motiviert mich!“

(rsn) - Ohne unfaire Manöver, fragwürdiges Taktieren oder andere Zwischenfälle wurde Katarzyna Niewiadoma-Phinney (Canyon - SRAM) auf der letzten Etappe der Tour de France Femmes (2. WWT) eindeuti

09.08.2026Reusser stürzt in Nizza aus den Top Ten der Tour de France

(rsn) – Aus dem Dreikampf um das Gelbe Trikot der Tour de France Femmes 2026 wurde auf der abschließenden 9. Etappe schnell ein Zweikampf. Marlen Reusser (Movistar) verlor bereits am zweiten Anstie

09.08.2026Die Highlight-Videos der Tour de France Femmes

(rsn) – Für Leser und Leserinnen, die lieber schauen statt lesen, bietet radsport-news.com die Highlight-Videos. Die Eurosport-Mitschnitte aller neun Teilstücke der diesjährigen Tour de France Fe

09.08.2026Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - Von Katrine Aalerud (Uno-X Mobility) bis Urska Zigart (AG Insurance - Soudal); von der 42-jährigen Mavi Garcia (UAE - Team L´Imad) bis zur gerade mal 19 Jahre alten Grand-Tour Debütantin Pa

09.08.2026Das Strafenregister der Tour de France Femmes / 9. Etappe

(rsn) - Die Liste an potenziellen Vergehen, derer ein Profi, ein anderes Team-Mitglied oder weitere am Rennen Beteiligter im Laufe einer Rundfahrt bezichtigt werden kann, ist lang. Genauso lang wie d

09.08.2026Koch: “Es ist eine große Ehre, für Demi alles zu geben“

(rsn) – Ein packendes Duell bis kurz vor der letzten Bergwertung, ein Sturz-Drama um Marlen Reusser (Movistar) und der wahr gewordene "Gelbe Traum" von Demi Vollering (FDJ United – Suez) , die al

09.08.2026Vollering macht sich zum zweiten Mal den Traum vom Toursieg wahr

(rsn) – Demi Vollering (FDJ United – Suez) hat als erste Fahrerin die Tour de France Femmes (2.WWT) zum zweiten Mal gewonnen. Die 29-jährige Niederländerin entschied die abschließende 9. Etappe

Weitere Radsportnachrichten

06.11.2026Lidl-Trek Junior Racing geht mit neun Deutschen ins zweite Jahr

(rsn) – Lidl-Trek Junior Racing geht 2027 in seine zweite Saison und stockt dabei das Fahrerkontingent von 11 auf 15 Fahrer auf. Für das kommende Jahr setzt sich die Mannschaft aus Junioren aus sec

06.11.2026Tiberi darf sich “nicht mehr viele schwache Leistungen erlauben“

(rsn) – Als Vierter der Valencia-Rundfahrt (2.Pro), Zweiter der UAE Tour (2.UWT) und Dritter der Trofeo Laigueglia (1.Pro) legte Antonio Tiberi (Bahrain Victorious) diese Saison los wie die Feuerweh

06.11.2026Blasi wagt sich erneut ins Gelände

(rsn) - In wenigen Worten auf den Punkt gebracht, deshalb aber nicht weniger interessant: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Nachrichten aus der Welt des R

06.11.2026Belgischer Meister verlässt UAE in Richtung Movistar

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

06.11.2026Strafe für Vanthourenhout nach Ziel-Ausraster im “Eifer des Gefechts“

(rsn) – Sein zweiter Platz bei der Superprestige in Middelkerke am späten Donnerstagabend ist nicht, was den Zuschauern im Gedächtnis bleiben wird, wenn sie an den Auftritt von Michael Vanthourenh

06.11.2026Nicht nur Schwarz und Weiß: Van Dijk zur Kritik an Picnic-Führung

(rsn) – Ellen van Dijk war Ende 2018, drei Jahre nach dem Abgang von Marcel Kittel, noch immer eine der ersten prominenten Fahrerinnen, die sich vom damaligen Team Sunweb, dem heutigen Team Picnic â

06.11.2026Sitzen wir alle auf dem falschen Rad?

(rsn) - Wer viel mit Fahrrädern zu tun hat, kennt das Phänomen: Sobald im Bekanntenkreis jemand einen Fahrradkauf erwägt, wird man schnell zum unentgeltlichen Verkaufsberater gekürt. Eine ehrenvol

06.11.2026RCS denkt für Giro und Co. über limitierten Fan-Zugang nach

(rsn) – Beim Giro d'Italia und auch anderen Rennen von Veranstalter RCS Sport könnte es künftig Zugangsbeschränkungen zu neuralgischen Streckenpunkten geben. Das bestätigte der neue Giro-Boss Lu

06.11.2026Van Aerts Traum vom Flandern-Sieg: “Wird zunehmend schwerer“

(rsn) – Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) hat in einem Interview mit dem Fiets Magazine auf seinen Triumph bei Paris-Roubaix am 12. April 2026 zurückgeblickt und im selben Gespräch auch über

05.11.2026Wyseure schlägt Vanthourenhout, der für Eklat sorgt

(rsn) - Joran Wyseure (Crelan – Corendon) hat in Middelkerke das zweite Wertungscross seiner Karriere gewonnen. Im Nachtrennen ging er mit fünf Mitstreitern auf die Schlussrunde, in der er sich als

05.11.2026Van Alphen nutzt bei der Superprestige ihre Chance

(rsn) - Aniek van Alphen (777) hat in Middelkerke den zweiten Lauf der Superprestige gewonnen. Am Donnerstagabend war sie im Flutlicht 12 Sekunden schneller als Europameisterin Inge van der Heijden (C

05.11.2026Merckx über Pogacar in TV-Doku: “Er ist jetzt über mir“

(rsn) – Eddy Merckx gilt gemeinhin seit jeher als der beste Radsportler aller Zeiten. Doch schon seit einigen Jahren rüttelt Tadej Pogacar mit seinen Leistungen und seiner Dominanz, ausdrücklich n

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine