RSNplusEntscheidende ´Relais-Stationen´ auf Etappe 5

Koch und Lippert: D-Zug legt Fundament für Tour-Vorentscheidung

Von Felix Mattis aus Belleville-en-Beaujolaise

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Liane Lippert (Movistar) während der 5. Etappe der Tour de France Femmes 2026. | Foto: Cor Vos

05.08.2026  |  (rsn) – Demi Vollering gewann die Etappe und Marlen Reusser verteidigte ihr Gelbes Trikot. Die Kapitäninnen von FDJ United – Suez und Movistar hatten allen Grund zur Freude nach der 5. Etappe der Tour de France Femmes 2026 (2.WWT) in Belleville-en-Beaujolais.

Schließlich konnten sie mit Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike / + 2:35), Anna van der Breggen (SD Worx – Protime / + 2:35), Vuelta-Siegerin Paula Blasi (UAE Team L'Imad / + 2:27) und Elisa Longo Borghini (UAE Team L'Imad / + 1:43) sowie Kim Le Court (AG Insurance – Soudal / + 1:43) zahlreiche große Kontrahentinnen ums Tour-Podium weit distanzieren, so dass Ferrand-Prévot im Ziel sogar gestand, dass sie nun aus dem Rennen um den Tour-Sieg raus sei: "Es ist vorbei, ja."

Zu verdanken hatten Reusser und Vollering das natürlich ihren eigenen Beinen, aber an diesem Tag ganz besonders auch ihren deutschen Teamkolleginnen. Denn das D-Zug-Gespann Franziska Koch und Liane Lippert sorgte im Etappenfinale zwischen der Explosion der Favoritinnengruppe etwa 33 Kilometer vor dem Ziel am Col de Durbize (3,6 km bei 5,8%) und dem Beginn des letzten Anstiegs der Etappe (Mont Brouilly - 3 km bei 7,7%) 14 Kilometer vor Schluss dafür, dass der Abstand zu den abgehängten Kontrahentinnen nicht wieder zusammenschmolz, sondern stabil blieb und sogar etwas größer wurde. ___STEADY_PAYWALL___

Zufällig entstandene Spitzengruppe als Schlüssel

Dass es dazu kam, war regelrecht eine glückliche Fügung. Denn als gut 80 Kilometer vor Schluss in der Abfahrt vom Col de Fontmartin eine knapp 20-köpfige Spitzengruppe entstand, waren einige - auch Lippert - quasi aus Versehen mit dabei. Und nur so konnten sie und Koch, die das durchaus so geplant hatte, wie sie später erklärte, im Finale zur wichtigen 'Relais-Station' für ihre Kapitäninnen sowie zu einer Art Matchwinner werden.

"Eigentlich war der Plan heute, bei Marlen zu bleiben und ihr zu helfen. Dann war ich am Berg aber weiter vorne und bin irgendwie in diese Gruppe reingeraten", erzählte Liane Lippert radsport-news.com nach dem Duschen am Mannschaftsbus, dass es tatsächlich nicht ihr Ziel war, in die Ausreißergruppe zu kommen. Dasselbe sagte auch Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) und galt wohl auch für Koch.

"Das Team meinte dann: Bleib einfach drin und mach' keine Arbeit. Eigentlich war es auch ganz gut, denn so konnte ich ihr (Reusser, Anm. d. Red.) am Ende helfen, die Lücke aufreißen zu lassen, zu den abgefallenen Kontrahentinnen", so Lippert.

Lippert dachte nur ganz kurz an die eigene Chance

Die sehr stark besetzte Spitzengruppe - neben den beiden deutschen Helferinnen sowie Niedermaier waren unter anderem auch die Vorjahresvierte Dominika Wlodarczyk (UAE Team L'Imad) und Femke De Vries (Visma – Lease a Bike) sowie Weltmeisterin Magdeleine Vallieres (EF Education – Oatly), Juliette Berthet (FDJ United – Suez) und das Lidl-Trek-Trio Niamh Fisher-Black, Amanda Spratt und Riejanne Markus dabei – fuhr bis zu 1:45 Minuten Vorsprung heraus.

Als es dann knapp 35 Kilometer vor Ziel in den Col de Durbize hineinging, zerfiel die Gruppe und Lippert wirkte mit am stärksten. Kurz konnten die deutschen Fans auf den zweiten Tour-Etappensieg in der Karriere der Friedrichshafenerin hoffen – und auch Lippert selbst tat das kurzzeitig: "Ja, doch, auf jeden Fall. Es war schon der Moment da, wo ich kurz dran gedacht habe. Denn ich habe gemerkt, dass mir bei den Attacken keiner so richtig, richtig wehtun konnte und ich hatte auch noch etwas übrig", sagte sie RSN.

Franziska Koch (FDJ United – Suez) während der 5. Etappe. | Foto: Cor Vos

Da aber an eben jenem Col de Durbize auch im Favoritinnenfeld Vollgas gefahren wurde, kamen diese erstens schnell näher und zweitens veränderte sich die taktische Ausgangslage. Denn weil hinten zunächst Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) und Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) sowie anschließend auch Elisa Longo Borghini, Paula Blasi (beide UAE Team L'Imad) und Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) nicht mehr mithalten konnten, entstand für Reusser und Vollering die große Chance, gleich mehrere Podiumskandidatinnen zu distanzieren.

"Haben uns nur gesagt: 'Steady', also 'ruhig, ruhig'"

"Da war klar, dass ich warten muss und mit Franzi Koch Führungsarbeit übernehme", so Lippert. Das deutsche Duo spannte sich schon in der Abfahrt vor die Gruppe seiner Kapitäninnen und gab auf den folgenden knapp 15 Kilometern unwiderstehlich Vollgas. Sie holten ihre ehemaligen Ausreißer-Begleiterinnen ein und vergrößerten den Abstand zu den beiden jagenden Kleingruppen aus einerseits Longo Borghini, Blasi und Le Court sowie andererseits noch weiter hinten Ferrand-Prévot, van der Breggen und Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly).

"Ich war froh, sie zu haben", erklärte Lippert, dass die Kooperation mit der Landsfrau im Meistertrikot gut funktionierte und es entscheidend war, zu zweit zu sein bei der Tempojagd. Viel geredet hätten die Beiden aber nicht: "Das Einzige, was wir uns gesagt haben, war: 'Steady', also 'ruhig, ruhig', weil wir uns gegenseitig nach langen Führungen leicht wehgetan haben", meinte sie.

Demi Vollering, Marlen Reusser und Katarzyna Niewiadoma hatten ihren großen Vorsprung auf die Konkurrenz auch Koch und Lippert zu verdanken. | Foto: Cor Vos

Als 14 Kilometer vor dem Ziel dann der Bonus-Sprint und anschließend die letzte Steigung des Tages erreicht wurde, scherte erst Lippert und kurz darauf aus Koch aus der Führungsarbeit aus. Von da an war es an ihren Leaderinnen, ihren Vorsprung selbst weiter auszubauen, was in der steilen Rampe am Mont Brouilly auch klappte.

Das Fundament dafür aber war, dass in der Gruppe auf den 15 Kilometern zuvor niemand in Versuchung geriet, zu zögern, wie es noch am Montag auf Etappe 3 nach der dortigen Selektion geschehen war. Und das war eben vor allem Koch und Lippert zu verdanken, die nach getaner Arbeit auch noch gemeinsam ins Ziel fuhren.

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