RSNplusWarum attackierte Vollering im Finale noch?

FDJ wollte “mit Célia gewinnen“ - aber Gerys Beine waren leer

Von Paul Grosch

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Célia Gery (FDJ United – Suez) wurde als Kämpferischste Fahrerin der 6. Tour-Etappe ausgezeichnet. | Foto: Cor Vos

06.08.2026  |  (rsn) – Nach ihrem gestrigen Sieg wollte Demi Vollering (FDJ United – Suez) auf der 6. Etappe der Tour de France Femmes 2026 ihrer Teamkollegin Célia Gery den Vortritt lassen. Die Französische Meisterin wandelte am Donnerstag auf bekannten Straßen. Die 20-Jährige wurde nicht einmal 30 Kilometer vom Zielort Tournon-sur-Rhône entfernt geboren. Am Ende reichte es zwar nur für den fünften Platz, Gery konnte das Rennen dennoch genießen.

“Es war ein schöner Tag. Ich habe alles gegeben, um mich in eine Situation zu bringen, in der ich um den Sieg fahren kann“, sagte sie im Ziel. “Ich bin natürlich  etwas enttäuscht, dass ich nicht gewinnen konnte. Aber ich weiß, dass ich alles gegeben habe.“ Seit dem Tour-Auftakt hatte Gery immer wieder versucht, durch Attacken Gruppen, aus denen heraus sie aufgrund ihrer hohen Endschnelligkeit zu den Favoritinnen gezählt hätte. ___STEADY_PAYWALL___

Auf dem sechsten Tagesabschnitt versuchte sie es bereits früh. “Am Ende hat mir ein bisschen die Kraft gefehlt, weil ich vom Start weg hart gefahren bin“, erklärte Gery. “Ich dachte, dass sich früher eine große Gruppe bildet und die GC-Fahrerinnen einen leichteren Tag haben würden. Aber das war nicht so.“ Auch ihre Teamkollegin Franziska Koch war vom Etappenbeginn etwas überrascht.

"In den Anstiegen musste ich viel investieren"

“Wir hätten schon erwartet, dass eine größere Gruppe ausreißen kann“, sagte die Deutsche Meisterin gegenüber RSN. “Aber wenn dann auch GC-Fahrerinnen reagieren, reagieren alle. Der Start war sehr, sehr hart.“ Letztlich musste sich Gery auf ihre Streckenkenntnis verlassen. Erst 34 Kilometer vor dem Ziel schaffte sie es, sich in der langen Abfahrt des Col de Lalouvesc, der vorletzten Bergwertung, entscheidend abzu setzen. Die Bilder von Gerys Steuerkünsten bei hohem Tempo waren beeindruckend und spektakulär.

Kurz darauf schlossen sechs weitere Fahrerinnen zu ihr auf, darunter mit Elisa Longo Borghini (UAE – L’Imad) und der Bergkönigin Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) auch gute Kletterinnen. “Ich habe wirklich versucht, mich abzusetzen, vor allem in den Abfahrten. In den Anstiegen musste ich dann viel investieren. Am Ende waren meine Beine leer“, erklärte Gery, warum sie im Sprint der Ausreißergruppe um die Tagessiegerin Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) dann keine Chance hatte. 

Célia Gery (FDJ United – Suez) beeindruckt bei dieser Tour als unermüdliche Angreiferin. | Foto: Cor Vos

Der Plan des FDJ-Teams ging am Ende also nicht ganz auf. “Wenn es eine große Gruppe ist, hätte ich auch dabei sein können, um ihr zu helfen. Am Anfang haben wir viel versucht, aber nichts kam dabei rum. Dann haben wir sie (Gery) bis zum Ende aufgespart", sagte Koch dazu

Vollering zeigte bereits bei der Tour im vergangenen Jahr, dass sie auch ihren Teamkolleginnen Chancen geben möchte. Damals gewann Elise Chabbey das Bergtrikot. “Wir wollten heute mit Célia gewinnen. Es ist ihr Heimrennen“, sagte die Niederländerin gegenüber Eurosport. “Letztendlich bekam sie in der Gruppe ihre Chance, also war das ein guter Tag für uns.“

Kuriose Vollering-Attacke

Gery jedenfalls zeigte sich im Ziel dankbar für die Möglichkeit. “Es war sehr schön, auf den Straßen in meiner Heimat Rennen zu fahren“, sagte die Giro-Etappensiegerin. “Es waren so viele Leute da, die mich angefeuert haben: Familie, Freunde und Leute, die ich nicht einmal kannte. Das hilft natürlich", sagte die Französin, die aber doch noch aufs Podium durfte, weil sie als Kämpferischste Fahrerin ausgezeichnet wurde

Etwas kurios war dann jedoch Vollerings Attacke am kleinen Bergaufstück zum Bonussprint, etwa zehn Kilometer vor dem Ziel. Die Sekunden hatte bereits die Gruppe vor ihr eingestrichen. Koch bekam vom Angriff ihrer Teamkollegin gar nichts mehr mit. “Ich muss mir das Rennen erst noch einmal anschauen. Bei mir hat es den Stecker gezogen. Ich habe es dann easy angehen lassen und deshalb weiß ich nicht, wie das Finale dann abgelaufen ist“, sagte sie gegenüber RSN.

Im Sprint der 6. Etappe langte es für die Lokalmatadorin nur zu Rang fünf. | Foto: Cor Vos

“Ich wollte im Finale einfach mal etwas probieren und außerdem sichergehen, dass unser Rückstand nicht zu groß wird“, erklärte  Vollering ihre übberraschende Aktion. Dabei hatte Canyon – SRAM durch Antonia Niedermaier zuvor die Tempoarbeit übernommen. Warum Vollering also an einem 800 Meter langen Anstieg und vier Prozent steilen Bergaufstück attackierte, obwohl ihre Teamkollegin Gery zu diesem Zeitpunkt nur 30 Sekunden Vorsprung hatte, bleibt wohl das Geheimnis der Tour-Siegerin von 2023.

Möglicherweise wollte sie die letzte Abfahrt des Tages von vorne in Angriff nehmen oder vor dem Mont Ventoux am Freitag noch einmal die Beine testen. “Es ist ein cooler Berg. Demi freut sich sehr darauf und deshalb werden wir alles versuchen, um sie sicher in den Berg hineinzubringen“, blickte Koch schon voraus. Und Gery ergänzte: “Morgen ist ein großer Tag für uns. Wir werden alle für Demi da sein. Wir werden versuchen, auf das Gelbe Trikot zu gehen.“

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